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Rückblick auf die Anfänge

Da die wichtigsten Vorgänger unserer heutigen Jagdkameraden, nämlich die alte Haidbracke – die natürlich mit „Braque“ überhaupt nichts zu tun hat, sondern die Namensähnlichkeit von „brackiereigenschaft“ abgeleitet ist -, sowie die beiden „kontinentalen Vorsteh(ur)hunde“ Langhaar und Kurzhaar wesentlich älter sind als man gemeinhin glaubt, können zumindest für die Vorstehhunde zwei Beispiele untermauert werden.

Langhaar und Kurzhaar wurden zwar in der vor uns liegenden „rasselosen Zeit“ aus jagdlichen Erfolgsgründen oftmals verpaart, ließen sich aber tatsächlich niemals bastardieren. Langhaar blieb Langhaar und Kurzhaar blieb Kurzhaar. Daraus ist wohl unschwer zu erkennen, dass die genetische Festigung der beiden Rassen nur über viele Jahrhunderte erfolgt sein kann!

Da der in der Neuzeit standardisierte “Kleine Münsterländer“ in allen geno- wie phänotypischen Details dem Langhaar identisch ist, entspricht er als eine ursprünglich für Zwecke der „kleinen Jäger“ gezielt gezüchtete Kleinform des Langhaar. In diesem Zusammenhang darf auch der Wachtelhund nicht fehlen, der wohl in auch sehr frühen Zeiten zugunsten der alten Heidewachtel selektiert wurde. Das Langhaar bleibt infolge seiner genetischen Festigung immer hartgriffig in den Tönungen gutes mittelbraun bis schwarz. Eine Mutation zu hellbraun, rötlichbraun, sowie auch seidenhaarig gibt es nicht. Bei einer auftretenden Haarstruktur solcherart mendelt daher eindeutig die Einkreuzung fremdartiger, insbesondere setterartiger Individuen durch.

Nach der nicht unumstrittenen Rasseneinteilung von Dr. phil. Et med. Jungklaus, Bielefeld gehört der langhaarige Vorstehhund zu den Hühnerhunden und geht auf die Urform aller langhaarigen Vorstehhunde, auf den Seidenhund, zurück. Der Seidenhund (Canis extrarius) ist als die Stammart einer sehr großen Anzahl verschiedener Hundeformen und Rassen zu betrachten, von denen bis jetzt schon 30 von den Fachleuten aufgestellt oder beschrieben worden sind. Auf welchen Wegen diese Hunde nach Europa kamen kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Seit dem Mittelalter gibt es immer wieder Beschreibungen über langhaarige Hunde, die zur Jagd eingesetzt werden, im Allgemeinen galt die Selektion aber hauptsächlich den jagdlichen Eigenschaften.

Nähere Angaben über die Körperform finden sich erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Allgemein werden mittelgroße Hellschimmel mit braunen Platten und braunen Behängen beschrieben. Die Jäger dieser Zeit begannen ihre wildscharfen, ruhigen Hunde mit den englischen und französischen Feldspezialisten zu kreuzen, bekamen aber in den seltensten Fällen das gewünschte Ergebnis. So besannen sich einige Jäger und begaben sich auf die Suche nach dem Idealtyp des Deutsch-Langhaars um Leistung und Wesen dieses vielseitigen Gebrauchshundes in die Reinzucht zu bringen.

Im Jahr 1878 fand in Frankfurt am Main die erste Hundeausstellung statt, auf der beschlossen wurde, dass 1979 in Hannover eine weitere große Hundeausstellung abgehalten werden sollte. Dort sollte an Hand von typischen Rassevertretern eine erste Rassebeschreibung für Deutschlanghaar und Deutschkurzhaar erreicht werden. Das Ziel wurde erreicht und der Rüde Mylord I im Besitz von Herrn Gustav Borchers, Braunschweig, wurde als Modell für die Rasse Deutschlanghaar angesehen. Nach Mylord I 406 wurden zwar 1879 in Hannover die Rassekennzeichen erarbeitet, was aber nicht bedeutet, dass er selbst auch das unumschränkte Zuchtvorbild war. Dieses wurde erst durch den vortrefflichen Rassehundzeichner „Sperling“ (Heinrich Sperling 23. März 1844 in Warnkenhagen; † 20. Juni 1924 in Berlin) nach dem Vorbild Job I 685, und auch leicht idealisiert, geschaffen. Daraus ist aber gut zu erkennen, dass die überdimensioniert ausgebildete Fahnenrute gar nicht den Idealtypus darstellt. Sie ist ja auch gänzlich unvorteilhaft im unwegsamen Dickicht! Wichtig ist wohl in erster Linie, dass sie dicht und fest behaart ist und unter Umständen sogar leicht wellig mit der Rute mitdreht.

Somit wurden für die Rasse Deutschlanghaar die Grundlagen für eine Reinzucht gelegt. Neben der Formbeschreibung wurden des Weiteren die jagdlichen Eigenschaften festgelegt. Oberförster Steinmetz stellte 1879 folgende Anforderungen an den deutschen langhaarigen Vorstehhund: Er soll mit vollem Hals fährtenlaut jagen, auf Schweiß gut sein, ein tüchtiger Apportierer und ein scharfer Würger sein und er soll Wild sicher und fest vorstehen.

Im Jahr 1897 stellte Freiherr von Schorlemer die ersten Rassekennzeichen für den
Deutsch-Langhaar auf und legte somit den Grundstein für die heutige Reinzucht.

 

Auszüge aus dem Rassestandard 117b:

Allgemeines Erscheinungsbild:
Kräftig, muskulös, tiefgestellt, flüssige Linien. Bei kleineren Hunden muss viel Substanz verlangt werden, allzu massige und dabei schwerfällige Hunde sind nicht erwünscht.

Wichtige Proportionen:
Fang und Schädel gleich lang, Hund hinten nicht überbaut. Schulter etwas höher als Kruppe.

Verhalten/Charakter, Wesen:
Ausgeglichen, ruhig, gezügeltes Temperament, gutartig, leicht zu führen.

Im Jahr 1897 wurde, ausgehend von fünf Rüdenstämmen, unsere heutige Zucht des Deutschlanghaar begründet.

Die Stämme waren
1. der Mylordstamm
2. der Jobstamm
3. der Donstamm
4. der Kalksteinstamm und
5. der Rolandstamm

Ausgehend von diesen ausgewählten Rüden begann vor allem in Deutschland, in Folge aber auch in Österreich und im damaligen Deutsch Böhmen, die Reinzucht des Deutschlanghaar. Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Farbschläge im Haarkleid wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts die schwarz/weißen Farbschläge aus der Deutschlanghaarzucht verbannt. Die schwarzweißen Hunde begründeten die Rasse des Großen Münsterländers.
In Österreich wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Zucht des Deutschlanghaars begonnen. Vor allem in Niederösterreich machten sich einige Förster und Grundbesitzer um die Zucht dieser Rasse stark. In den Wirren des 1. und 2. Weltkrieges gingen viele Züchter und damit auch viele gute Zuchthunde verloren.
Im Jahr 1975 wurde ein Verein zur Rein- und Leistungszucht des Deutschlanghaar Vorstehhundes durch die Auslese typgerechten österreichischen und deutschen Zuchtmaterials hinsichtlich Gebrauchs- und Zuchtwert gegründet.