Ein Rückblick in die Geschichte

Von Höhlenzeichnungen wissen wir, daß der Hund der vorgeschichtlichen Zeit in unserer Heimat lang- oder zumindest stockhaarig war. Unser rauhes, feuchtes Klima, dazu die dichten Waldungen verlangten das lange schützende Haarkleid. Noch heute sieht man bei Schäfern, deren Hütehunde allen Unbilden der Witterung ausgesetzt sind, fast ausnahmslos langhaarige Hunde. Man darf also annehmen, daß in unserem braven Deutsch-Langhaar das Blut der ältesten heimatlichen Hundeschläge fließt.

Im Mittelalter sprach man vom “Habichthund”, vom Vogel- und Hühnerhund, vom Wasser- und Otterhund; all diese Hunde waren langhaarig. Unter diesen Bezeichnungen hat sie Joh. E. Ridinger (1698-1767) in seinen Kupferstichen der Nachwelt erhalten. Wenn man auch in den damaligen Zeiten nicht von einer Reinzucht sprechen konnte, so wußte man doch die verschiedenen Eigenarten der Hunde jagdlich zu schätzen und unterstützte hier das fleißige Stöbern, dort die ruhige Fährtenarbeit am langen Riemen und bei wiederum anderen Hunden die Eigenschaft des Vorstehens, indem man geeignete Hunde paarte.

Je mehr die großen zusammenhängenden Wälder verschwanden, je mehr auf freien Feldern gejagt wurde, desto mehr schätzte man die vorstehenden, besser noch die vorliegenden Hunde; die Jägerburschen zogen oder warfen ein großes Netz, den Tyras, über den vorliegenden Hund und das Wild. Vor noch nicht allzu langer Zeit war übrigens der Name Tyras für einen Vorstehhund gar nicht so unbekannt; woher der Name allerdings kommt, werden wohl die wenigsten Hundebesitzer gewußt haben.

Im Laufe der Zeit vervollkommnete man die Schußwaffen, die Jagdarten änderten sich und damit auch die Arbeit der Hunde. 1818 schreibt Bechstein: “Der Hühnerhund steht unter den Hunden, die der Jäger braucht, obenan; denn es gibt Gegenden, ja man kann sagen, es ist jetzt eine Zeit, wo er dem Jäger alles in allem sein, die Stelle des Schweiß- und Leithundes, des Saufinders usw. vertreten muß. Er ist auch so bildsam, daß er sich zu jedem Jagdgebrauch leicht gewöhnen läßt, denn er hat und muß haben: Gehorsam, einen scharfen Geruch und den unaufhaltsamen Trieb, das Wild aufzuspüren, zu erlauern und zu beschleichen. Wie die Stammrasse aussieht, ist jetzt nicht leicht zu ermitteln, da es der Varietäten in Gestalt und Farbe so viele gibt. Daß man große und kleine, auch mehr oder weniger lang-, kraus- und stichelhaarige, sowie ganz weiße, braune und schwarze Hühnerhunde findet, und daß fast jeder Jäger seine Spielart, die er für eine besondere Rasse ausgibt, für die beste hält, sieht und hört man täglich.”

Zu dieser Zeit schon wollte man also den vielseitigen Gebrauchshund, paarte und kreuzte aber aIles wild durcheinander, was nur erwünschte jagdliche Eigenschaften aufwies.

Meist war der Vorstehhund vor 100 oder 150 Jahren recht schwer und in der Suche langsam. Der Jäger suchte selbst jedes Feldstück gründlich ab, der Hund ging kaum weiter als 50 Schritt vor ihm, war aber meist ein sicherer Verlorenbringer und verläßlich in der Wasser- und Schweißarbeit. – Dann machten die deutschen Jäger nähere Bekanntschaft mit den durchgezüchteten englischen Vorstehhunden, die eine weite Suche zeigten, hervorragende Nasen und unermüdliche Ausdauer. Kein Wunder, daß man diese Hunde nun einkreuzte. Mit den gewonnenen guten Feldeigenschaften der einseitig gezüchteten englischen Hunde verwässerte man indes das gute deutsche Erbe, die Apportierfreudigkeit, die Härte und Schärfe, die ruhige Arbeit auf Schweiß und die Wasserfreudigkeit. Man hatte zu viel des Guten getan. In dem vor fast 50 Jahren erschienenen Langhaar-Buch von Hinkel heißt es treffend: “Zum Schluß hatte man also wieder die alte deutsche Marmelade, aber mit englischer Sauce.”

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts sahen einsichtige Züchter ein, daß dieser Weg falsch war. Man besann sich eines Besseren. Die ersten Zuchtvereine wurden gegründet. Im Langhaarigen Vorstehhund hatte man die Erbfaktoren verschiedener Rassen, in seinen Adern floß das Blut der alten Hetzrüden, der Vogel- und Wasserhunde und der englischen Feldspezialisten. All diese Vorfahren gaben ihm die Anlagen zu großer Vielseitigkeit mit, und tatsächlich war gerade der Deutsch-Langhaar lange Zeit für die deutschen Jäger das “Mädchen für alles”, er galt als “der alte deutsche Försterhund”. Die Aufgabe der neugegründeten Zuchtvereine war es, dem alten jagdlich so gut veranlagten deutschen Hund eine gefällige Körperform zu geben und seine jagdlichen Fähigkeiten auf allen Gebieten gleichmäßig weiter zu steigern.

1879 suchte man auf einer großen Ausstellung in Hannover die besten Vertreter der langhaarigen Vorstehhunde heraus und stellte an ihnen die ersten Rassekennzeichen für Deutsch Langhaar auf. Die Grundlage für eine Reinzucht war geschaffen.

Das ist nun fast 125 Jahre her, in der Geschichte der Hunde, einer rasch Generationen aufbauenden Tierart, eine lange Zeit. Dennoch brauchte an den seinerzeit aufgestellten Rassekennzeichen bis zum heutigen Tage nichts Wesentliches geändert zu werden.